Wozu dient eine Bildbeschreibung?

Eine Bildanalyse und -Beschreibung sollte in seiner Form dem Adressaten angepasst sein. Sie ist eine sachliche und informierende Darstellung in Textform. Sie dient dazu, einer Person oder einem Personenkreis ein Bild mit sprachlichen Mitteln so darzustellen, dass diese/r sich eine genaue Vorstellung davon machen kann. Dabei ist nicht nur die optische Erscheinung bedeutsam, sondern auch die faktischen Informationen über den Künstler und die Entstehungszeit.

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Aufbau und Merkmale einer Bildbeschreibung / Ein Bild beschreiben

Bildbeschreibungen sind ein fester Bestandteil der Kunstlehre und verfahren ähnlich wie Textinterpretation. Sie helfen dabei, ein Bild in seiner Gesamtheit zu begreifen und wesentliche Merkmale herauszuarbeiten. Auch die Bildanalyse gehört zu der Beschreibung eines Bildes dazu. Im Folgenden erhalten Sie von uns eine Vorgangsbeschreibung, die alle Schritte beinhaltet, um ein Bild beschreiben zu können.

Ein Hauptbestandteil ist die Wirkung von Farben, Blickrichtungen und Perspektive. Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme der im Bild wirkenden Elemente. Die Bildbeschreibung mit Bildanalyse gliedert sich in drei Bereiche: In die Beschreibung dessen, was im Bild abgebildet ist, welche Beschaffenheit das Bild hat, d. h. die Farben und ggf. das Material und zum Schluss die Wirkung des Bildes auf den Betrachter. Weitere Elemente der Bildbeschreibung sind der Vordergrund und Hintergrund, das Hauptaugenmerk, auch Eyecatcher genannt, die Perspektive und die Blickführung.

Der erste Schritt: Die Bildbetrachtung

Um ein Bild beschreiben und analysieren zu können, muss man es zunächst eingehend Betrachten, ohne sich dabei Gedanken über die spätere Niederschrift zu machen. Dabei werden bereits die ersten Notizen gemacht.

  • Beschreiben Sie alle Bildelemente
  • die Perspektive
  • besondere Auffälligkeiten
  • die Bilddarstellung
und alles weitere, was Ihnen auffällt, auf. Dabei ist es auch sinnvoll bereits festzuhalten, wer der Künstler ist, zu welcher Epoche das Bild zählt und wann das Bild entstanden ist. Bei der ersten Bestandsaufnahme geht es darum, festzuhalten, was man auf dem Bild sieht, wie die Farbgebung ist – hierbei kann man auch bereits feststellen, ob das Bild warme oder kalte Farben hat, denn diese Information ist später wichtig bei der Bildinterpretation – und welche Wirkung das Bild auf den Betrachter hat. Wenn man diese Merkmale notiert hat, kann man ins Detail gehen, damit man bei der späteren Bildbeschreibung kein Element auslässt, denn wenn man das Bild in seiner Gesamtheit beschreibt, wird schnell mal ein Detail ausgelassen.

Die fertigen Notizen beinhalten den Bildgegenstand, die Bilddarstellung, die Bildkomposition und den wesentlichen Inhalt des zu beschreibenden Bildes. Nachdem alle Notizen zusammengetragen wurden, geht es ans Sortieren, um beim Schreiben der Bildanalyse nichts zu vergessen.

Der informative Einleitungssatz

Die Beschreibung und Analyse eines Bildes folgt dem gleichen Schema wie die aus dem Deutschunterricht bekannte Textinterpretation. Sie setzt sich aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss zusammen. Ebenso wie bei der Textanalyse wird im Präsens geschrieben.

In der Einleitung werden

  • der Titel
  • der Künstler
  • die Bildquelle (d. h. wo das Bild abgedruckt ist)
  • das Entstehungsdatum
  • das Thema des Motivs
genannt.

An dieser Stelle kann man die Einordnung der Epoche vornehmen. In der Einleitung werden die bekannten W-Fragen, die auch Bestandteil der Textinterpretation sind, beantwortet.

  • Wer (Künstler),
  • was (Titel und Bildgattung),
  • wie (Maltechnik und Bildformat),
  • wo (Ausstellungsort),
  • wann (Entstehungszeitpunkt) gemalt?

In der Einleitung sind Sätze, die das Bild beschreiben und Interpretationsansätze fehl am Platz. Informationen dieser Art würden dem Hauptteil vorweggenommen werden und sind kein Teil der Einleitung. Das Thema des Bildes und das Hauptmotiv kann hingegen bereits in der Einleitung stehen, sofern dies offensichtlich ist und keine interpretativen Merkmale enthält.

Ein wichtiger Punkt der Einleitung ist die Nennung der Art des Bildes, d. h. ob es sich um ein Gemälde, eine Fotografie, einen Holzschnitt oder ähnliches handelt.

Die Vorgangsbeschreibung für einen typischen Einleitungssatz sieht wie folgt aus:

„Das Gemälde Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich entstand 1818, zählt zur Epoche der Romantik und ist ein Ölgemälde auf Leinwand, das in der Hamburger Kunsthalle ausgestellt ist. Es zeigt die Rückansicht eines Mannes, der zwischen Meereswellen auf einem Felsen steht […]“

Das Thema und Motiv wird nur grob umfasst genannt, wie in diesem Fall der Mann, der auf einem Felsen umgeben von Wellen steht. Auch wenn es offensichtlich ist, dass der Mann städtische Kleidung trägt und die Wellen stürmisch gegen die Felsen klatschen, gehört dies nicht in die Einleitung. Durch die wertende Wortwahl dürfen diese Aspekte erst in der Bildinterpretation erwähnt werden.

Eine umfassende Bildinterpretation erfolgt im Hauptteil.

Was gehört in den Hauptteil?

Im Hauptteil werden die zuvor notierten Bildelemente in sinnvoller Reihenfolge beschrieben. Dabei kann man vom Detail insgesamte beschreiben oder vom Gesamtbild ins Detail gehende. Wichtig ist zu erwähnen wo sich die beschriebenen Bildelemente im Gesamtkonzept befinden.

Die Bildbeschreibung ist deskriptiv und geschieht ohne Deutung und Analyse. Eine Bildanalyse folgt nach der Beschreibung. Die Beschreibung kann auf zwei Arten erfolgen:

Entweder beschreibt man vom Vordergrund über den Mittelgrund bis hin zum Hintergrund oder man beschreibt von links nach rechts. Wichtig ist nur, dass kein Bildelement vergessen wird. Durch geschickte Überleitungen erhält die Beschreibung keinen Aufzählcharakter.

Die Bildperspektive ermitteln

In einem der ersten Schritte geht man zunächst auf die Bildperspektive ein. Handelt es sich um eine Vogelperspektive, eine Froschperspektive oder um eine Normalperspektive? Perspektive und Bildwinkel sind grundlegende Gestaltungselemente, mit denen der Künstler eine bestimmte Wirkung erzielt.

Die Vogelperspektive

Die Obersicht (Vogelperspektive) ist eine Sicht von oben auf das Geschehen. Der Betrachter blickt auf das Bildmotiv hinunter. Durch diese Bilddarstellung wirken Objekte kleiner und weckt bestimmte Emotionen. Bei der Vorgelperspektive sind dies z. B. Unterwürfigkeit oder Unterlegenheit.

Die Froschperspektive

Bei der Untersicht bzw. Froschperspektive wird von unten auf das Objekt hinauf geschaut. Die Horizontlinie befindet sich deutlich unterhalb der Bildmitte. Somit erscheinen Objekte größer und suggerieren Dominanz und Macht. Bei der Normalperspektive befinden sich der Betrachter und das Objekt auf Augenhöhe und sind gleichgestellt. Dies suggeriert eine Idetifikation mit dem Abgebildeten.

Die Normalperspektive

Die Normalperspektive stellt den Rezipienten auf eine Ebene mit dem Abgebildeten und erscheint dadurch wertfrei. Der Betrachter ist stiller Beobachter des Geschehens.

Die Vorgangsbeschreibung

Eine Vorgangsbeschreibung für die Beschreibung einer Froschperspektive sieht wie folgt aus: "Der Künstler verwendet die Froschperspektive. Dadurch wirkt das Bild verzerrt und die Figuren größer. Die Beziehung vom Betrachter zum Motiv verändert sich aufgrund der Perspektive. Er schaut zu den Figuren hinauf, wodurch diese erhaben und mächtig erscheinen. Es entsteht ein Gefühl von Unterwürfigkeit und Bedrohung."

Ein weiterer essenzieller Teil des Hauptteils ist die Beschreibung des Bildaufbaus anhand seiner Ebenen, ausgehend vom Vordergrund oder Hintergrund des Bildes. Hierzu klärt man die Fragen, was das Hauptmotiv ist und was besonders auffällt, d. h. was das Hauptaugenmerk des Bildes ist. Wenn Personen im Bild zu sehen sind, werden deren äußere Erscheinung, ihre Gestik und ihre Mimik beschrieben. Was könnte in den Personen vorgehen und was machen sie gerade?

Der Mittelgrund des Bildes ist die Ebene zwischen dem Vordergrund und dem Hintergrund. Bei der Beschreibung des Mittelgrunds geht es darum zu beschreiben, wie er die beiden Hauptebenen miteinander verbindet und welche Elemente er beinhaltet. Die Beschreibung des Hintergrunds ist besonders umfangreich, denn dabei wird benannt, welche Elemente das Hauptmotiv umgeben.

  • Welche Personen werden dargestellt?
  • Sind Gebäude oder Landschaften zu sehen?
  • Welche Stimmung vermittelt der Hintergrund anhand seiner Farben und des Lichts?
  • Ist es Tag oder Nacht?
All diese Fragen werden bei der Beschreibung des Hintergrunds geklärt.

Ein wichtiger Bestandteil ist der Bildgegenstand, auch Sujet genannt, mit dem zuvor erwähnten zentralen Motiv. Nicht immer liegt das Hauptaugenmerk im Vordergrund des Bildes, darum gilt es zu klären, welche die hauptsächliche Darstellungsebene ist und ob es darüber hinaus noch weitere wichtige Nebendarstellungen gibt. Gibt es weitere Bildebenen, d. h. weitere Bilder im Bild? Gibt es Symbole, wie Kreuze oder Vögel, die im Bild auftauchen?

Wenn die Bildanalyse nicht während einer Prüfung erstellt wird, ist es ratsam, Symbole in einem Wörterbuch der Symbole oder im Internet nachzuschlagen.

Anschließend wird der Bildaufbau, die so genannte Komposition erläutert. Verschiedene Bildausschnitte erzielen unterschiedliche Wirkungen. Ist das zentrale Motiv in einen räumlichen Rahmen platziert oder ist es freischwebend?

Ein wichtiger Bestandteil beim Bildaufbau ist die Blickführung. Diese kann z. B. diagonal oder senkrecht sein. Die Komposition hingegen kann symmetrisch, asymmetrisch oder einseitig-asymmetrisch sein. Bestimmte Details des Bildes können besonders hervorgehoben werden und sollten deshalb auch in der Bildbeschreibung Beachtung finden.

Jedes Bild ist nach einem bestimmten Stil gemalt oder abgebildet, den es zu ermitteln gilt. Es kann sowohl düster als auch romantisch oder abstrakt sein. Dazu gehört auch die Art der Darstellung und die Frage danach, ob es ein graphisches oder malerisches Bild ist, oder ob es Tiefe hat, wie etwa durch Licht und Schatten oder ob es flächig und eindimensional ist.

Vorgangsbeschreibung für einen Hauptteil

Ein Beispiel für einen Hauptteil anhand des Gemäldes „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg aus dem Jahr 1839 könnte wie folgt aussehen:

"Das Bild zeigt einen Mann, der in einer spärlich eingerichteten Dachstube auf einer Matratze liegt. Das Zimmer mit Holzdachschrägen wird auf der linken Seite von einem Fenster beleuchtet. Auf der rechten Seite hängt ein Regenschirm vom Dach, der den Schlafplatz des Mannes trocken hält. Durch das undichte Dach dringen Wassertropfen. Im Vordergrund des Bildes ist auf der linken Seite ein Kachelofen auf dem eine Flasche mit einer Kerze und eine Schüssel stehen. In dem Ofen liegen Manuskripte, die verraten, dass es sich dabei um Werke des Poeten handeln. Im Ofen brennt kein Feuer. Im Mittelgrund des Bildes sind Bücher und zwei Schachteln, auf denen ein Tintenfass steht. Die Sachen befinden sich neben der Schlafstätte des Mannes. Aufgrund des Titels weiß man, dass es sich bei dem Mann um einen Dichter handelt. Dieser bildet das Hauptaugenmerk des Bildes. Er trägt eine weiße Mütze und eine Brille und liegt unter einer Decke. Gestützt wird er von zwei dicken Kissen. Er hat ein Blatt auf dem Schoß. Anhand seiner Gestik erkennt man, dass er gerade arbeitet.

Ebenfalls im Mittelgrund befindet sich der Regenschirm und auf der linken Seite am Kachelofen hängt ein Zylinder. Vor dem Ofen liegt ein Stiefelknecht. Im Hintergrund des Bildes sieht man ein kleines Fenster und die Wand der Dachstube. Vor dem Fenster befindet sich eine Wäscheleine, auf der ein Handtuch hängt. Durch das Fenster sieht man Schnee bedeckte Dächer und erkennt, dass es helllichter Tag ist.

Der Poet ist auf Augenhöhe des Betrachters in Normalperspektive abgebildet. Es zeigt einen Einblick in das Leben des Mannes, ohne zu werten. Die Farben sind in einem warmen Grünton gehalten, der einen Kontrast zu der offenkundig herrschenden Kälte bildet. Die Armut des Poeten zeigt sich nicht nur an der spartanischen Einrichtung und an dem undichten Dach, sondern auch daran, dass der Ofen nicht beheizt ist. Da seine Manuskripte im Ofen liegen, kann man davon ausgehen, dass er nur diese zum Befeuern des Kachelofens hat und diese als Nutzlos ansieht."

Der Schlussteil

Im Schlussteil wird eine knappe Zusammenfassung des zuvor Beschriebenen erstellt und ggf. die eigene Meinung und die Wirkung des Bildes auf den Betrachter erläutert. Fragen, die im Schlussteil beantwortet werden sollten, sind die danach,

  • warum das Bild vom Künstler auf eine bestimmte Weise dargestellt wurde,
  • was der Künstler mit seiner Darstellung aussagen wollte
  • und wie das Bild auf den Betrachter wirkt.
Der Schlussteil dient als kurzes Fazit des Hauptteils, in dem die wesentlichen Merkmale noch einmal aus dem umfangreichen Hauptteil hervorgehoben werden. Erst an dieser Stelle kann die eigene Meinung über das Bild und dessen Wirkung Erwähnung finden, ist jedoch keine Pflicht.